Der Magier und der Dämon

Oft komme ich mir vor, wie wenn ich gegen Dämonen kämpfe… wenn sich meine eigenen inneren Schatten zeigen, Angst sich breit macht, mir die Kraft raubt und mich lähmt.

Genau dann nämlich, wenn ich mich gerade in einer für mich sehr unangenehmen, schwierigen Situation in meinem Leben befinde. Was ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe in meinem Leben, in meiner Partnerschaft, wird geprüft, hinterfragt und verändert sich. Ich werde gebeutelt, geschüttelt, tief erschüttert und ich habe manchmal das Gefühl ich falle tief und kann mich an nichts mehr festhalten, was mir im Außen Sicherheit geboten hat. Wie gerne würde ich dann etwas im Außen ändern und alles ist wieder gut… eine kindliche Hoffnung… ein verletztes Kind, das gerne hätte, dass durch das liebevolle Küsschen von der Mama auf das aufgeschlagene Knie sofort alles wieder heil ist.

Die Chance liegt im AlleinSein

Leider entspricht das nicht der Realität… das Spiegelbild frisieren ist nicht sinnvoll um die eigenen Haare in Ordnung zu bringen. Und manchmal gibt es Situationen im Leben, da werden wir auf uns Alleine zurückgeworfen.

Es zeigen sich meine Schatten, „Dämonen“ und tiefe Verletzungen, dass mich die aufkommenden Emotionen unverhofft überrollen wie ein dunkles, am eben noch blauen Himmel, überraschend aufkommendes Gewitter und mich der Donner und die Blitze bedrohlich umgeben und mit sich zu reißen drohen. Heulend, betend, hoffend, schreiend, wütend, hilflos, verletzt, von Angst gebeutelt, zitternd, … fühle ich mich in diesen Momenten alles andere als ein lichtvoll strahlendes geliebtes Wesen.

Der Magier und der Dämon

Ich fühle mich so wie Gandalf der Graue Magier in einer Szene von „Herr der Ringe“, in der er sich in den dunklen Minen von Moria einem Dämon aus uralten Zeiten stellen muss, obwohl dieser offensichtlich übermächtig ist. Selbst der laute Ruf des Zauberers „du kommst hier nicht vorbei“ und dessen Wirkung ist nur von kurzer Dauer, denn als der Feuer-Dämon schon zurück in die Schatten fällt, schaffte er es, ein letztes Mal seine Feuerpeitsche zu benutzen und Gandalf somit in die scheinbar unendliche Tiefe zu ziehen.

„Vom tiefsten Verließ bis zum höchsten Gipfel kämpfte ich gegen den Balrog von Morgoth. Bis ich zuletzt meinen Feind niederwarf und seine Hülle gegen die Seite des Berges schmetterte. Dann umfing mich Dunkelheit und ich irrte umher ohne Gedanken und Zeitgefühl. Über mir zogen die Sterne dahin und jeder Tag war so lang wie ein Lebensalter auf der Erde. Doch es war nicht das Ende…“

Es bleibt mir nichts Anderes übrig, als mich diesem „Dämon“ – der Situation oder den Emotionen voll und ganz hinzugeben, sie durchzulassen und hoffen, dass ich irgendwie überlebe… in der Hoffnung, dass es der Liebe dient. Der Liebe zu mir Selbst, mir Selbst ein Stück näher zu kommen. Ein kleines Stück heiler zu sein. Ganz zu Sein. Vertrauen, dass sich klar zeigt, was in mir mich noch daran hindert, mich unendlich zu lieben. Was transformiert werden will. Gnadenlos. Schonungslos. Was ans Licht gebracht werden will. Was gehen darf und was neu gelebt werden will.

Es fühlt sich bei Gott nicht leicht an, nicht freudvoll oder lichtvoll.
Es fühlt sich Scheiße an, bedrohlich, dunkel und Furcht einflößend.
Kein Stein scheint mehr auf dem anderen zu bleiben, kein Halt und keine Sicherheit.

Alles andere als ich gedacht habe, dass sich Liebe anfühlt… und das ist genau der Punkt. GEDACHT habe.

Denken ist nicht Lieben.

Genau in so einer Lebenssituation, in der ich mich allein gelassen fühle, verzweifelt fühle, verletzt fühle, wütend fühle, ohnmächtig fühle… zeigt sich exakt das, was von mir Selbst noch nicht liebevoll betrachtet wird. Zeigt sich das, was noch umarmt, gesegnet, geheilt, geliebt werden will. In dieser Situation, in der ich mich scheinbar schon am Boden befinde, darf ich jeden Widerstand, jede Erwartung, jede Vorstellung von Liebe, von dem was sein soll, sein muss, sein wird… aufgeben, loslassen… einfach lieben was jetzt ist. Was sich jetzt zeigt. Was jetzt losgelassen werden will, liebevoll gehen lassen. Absolute Hingabe, fallen lassen und Annehmen, was ist. Lieben was ist.

Die Lösung liegt in mir

Erkennen was ins Licht gebracht werden will. Was gelebt werden will. Was geliebt werden will… Bedingungslos. Im Außen wird mir schmerzhaft gezeigt, was ich an mir und in mir noch ablehne… wo ich mich Selbst noch für klein und schwach halte… wo ich erwarte, dass mich wer anderer liebt, anstatt mich selbst zu lieben. Wo ich glaube, ich brauche dieses oder jenes oder den Mann oder die Frau… wo ich mich abhängig gemacht habe.

Der Schmerz ist schonungslos und zeigt genau die eigenen Selbstzweifel, den eigenen Mangel an Selbstliebe, auf die eigenen begrenzenden Illusionen oder die Freudlosigkeit in meinem Leben.

Wie ein starker heller Scheinwerfer zeigt beleuchtet der Schmerz meine eigenen Schatten und bringt die verborgenen Schätze ins Licht. Und der Scheinwerfer zeigt nie auf die Umstände, die Situation oder die Anderen, er zeigt immer und gnadenlos in mich… in mein Innerstes. Damit ich Innehalte und in mich schaue. Mein eigenes Licht auf mich richte. Damit das endlich heilen darf, was so lang im Dunkeln lag.

Damit fundamentale Heilung geschehen darf. Damit Liebe fließen darf. Damit ich endlich ich sein darf. Damit ich heilen darf und kraftvoll, freudvoll, liebevoll das Leben selbstbestimmt und frei in mir spüren darf.

Heilung in mir

Und die Erlaubnis dafür erteilt mir niemand anderer außer ICH SELBST. Die Verantwortung dafür hat niemand anderer als ICH SELBST. Die Freiheit wieder JA zum Leben zu sagen, erteilt mir niemand anderer, außer ICH SELBST. Die tiefe Liebe zu mir, gibt mir niemand anderer, außer ICH SELBST.

ICH sage JA zu mir

ICH liebe MICH

ICH BIN FREI

(2016-04-11, Martin Haderer, http://www.ganz-frei-selbst-bewusst-sein.com)

Advertisements